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Wenn Dirigenten sich streiten: Krach im Bolschoi Theater

Bolschoj Theater dominierte die Schlagzeilen im vergangenen Jahr. Foto: Screenshot von Bolshoi.ru

Der Intendant von GASO (aus dem Russ.: „das Staatliche Akademische Symphonieorchester“) – Vladimir Jurovskij – bezeichnete die Repertoirpolitik des Bolschoi-Theaters als lasterhaft. Diese Aussage sprach Jurovskij am 23. März während einer Pressekonferenz mit Journalisten aus, wie RIA Novosti mitteilt.

Jurovskij, der die Oper „Ruslan und Ludmilla“ im Bolschoi-Theater als erste Premiere nach der historischen Wiedereröffnung im Jahr 2011 dirigierte, merkte auch an, dass er keine weiteren Pläne bezüglich einer Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Akademischen Großen Theater hätte.

Am meisten missfiel dem Dirigenten die Tatsache, dass das Theater schwierige Vorstellungen ohne notwendige Pausen gibt. „Es ist kein Spielplan, wie man ihn aus sowjetischer Zeit kennt, aber auch kein Stagionesystem, sondern ein komisches Simulakrum. Denn „stagione“ heißt, dass eine Theatergruppe kommt, die Zeit mit dem Regisseur, Dirigenten und kreativen Team in Laufe von 6 Wochen verbringt, ein Theaterstück aufführt und während zwei-drei Wochen spielt. So bestehen zwischen Vorstellungen normale Ruheperioden von ein paar Tagen, wobei im Falle einer Oper wie „Ruslan und Ludmilla“ sogar drei Tage nicht reichen würden“, – sagte der Dirigent.

Laut seiner Meinung darf auf diese Weise nicht gearbeitet werden, da Musiker zur Arbeit nicht genug ausgeruht kommen würden. Auch versicherte Jurovskij, dass Vorstellungen dicht aneinander folgen, weil es für Bühnengestalter sehr praktisch ist, denn es müssen keine Bühnenbilder auseinandergebaut werden.

„Ich finde, dass diese Vorgehensweise das künstlerische Niveau der Theatervorstellungen kompromittiert. Ich versuchte es damit nur einmal, weil mir solche Arbeitsbedingungen aufgezwungen wurden, da es sich um die feierliche Eröffnung der historischen Bühne von Bolschoi-Theater handelte, und das passte mir nicht“, – fügte der Musiker Jurovskij zu.

Wie die Nachrichtenagentur betont, dirigierte Vladimir Jurovskij alleine im November des letzten Jahres die Oper „Ruslan und Ludmilla“ sechs Mal. Dabei unterstrich der Dirigent selbst, dass es ihm um das Theaterstück leid tue, das erst nach einiger Zeit „seine positiven Seiten zum Vorschein bringen würde“. Nach der Opernpremiere gab es widersprüchliche Publikums- und Kritikerreaktionen. Jurovskij gab zu, dass das Stück auch noch kurz vor der Erstaufführung etwas „roh“ gewesen sei.

Auch merkte Jurovskij an, dass akustische Bedingungen im Bolschoi schlechter geworden sind. Er meint, dass das möglicherweise an verschwundenen rautenförmigen akustischen Korrektoren liegen könnte, die noch während der Premiere da gewesen waren. Der Dirigent vermutet, dass diese womöglich einfach geklaut worden sind.

Früher wurde das Bolschoi-Theater vom Tänzer Nikolaj Ziskaridze kritisiert, der die Rekonstruktion im Theater Vandalismus nannte.

Das Große Staatliche („Bolschoi“) Theater wurde nach einer sechsjährigen Wiederherstellungsperiode im Oktober 2011 eröffnet. Aus einigen Quellen weiß man, dass ein Teil der Arbeiten zu diesem Termin noch nicht komplett abgeschlossen gewesen ist.

 

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