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Warum wir uns nicht über die Währungskrise in Russland freuen dürfen

Der Rubel über 50% an Wert verloren. Foto: https://flic.kr/p/q6mmzo

Der Rubel über 50% an Wert verloren.
Foto: Igiss, Flickr

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Süddeutsche einen Artikel über die Währungskrise in Russland. Darin diskutriert der Autor Ulrich Schäfer, was die Vorteile und Nachteile der Währungskrise für die Weltwirtschaft sind.

„Der Rubel fällt und fällt und fällt – und das ist gut so“ ist die eine These, „Der Rubel fällt und fällt und fällt – und das ist schlecht so“ die andere. Am Ende kommt der Autor mehr oder weniger zu dem Schluss, dass die erste These stimmt, denn Russlands Wirtschaft leidet nicht nur unter den vom Westen eingeführten Sanktionen, sondern auch von einer Verschiebung der globalen Machtverhältnisse im Energiemarkt.

Ich sehe dennoch keinen Einlass zur Freude, und möchte dazu ein Paar Gedanken teilen.

Auf den ersten Blick müsste man sich darüber freuen dass unsere – westliche – Sanktionen Wirkung zeigen. Doch war es das Ziel der Sanktionen die russische Wirtschaft zu zerstören und Endkonsumenten schaden? Eigentlich nicht, denn man hat mehrmals beteuert, dass die Sanktionen vor allem gegen diejenigen sich richten sollen, die an der unrechtmäßigen Annexion von Krim beteiligt waren und den Konflikt in der Ukraine von der russischen Seite aus unterstützen. Gegen Banken, deren Geld dafür eingesetzt wird, gegen einzelne Personen, gegen Firmen, die Geschäftsbeziehungen mit den sanktionierten Personen auf der russischen Seite unterhalten. Außerdem, und darüber schreibt auch die SZ, ist die Wirkung der Sanktionen nur eine von vielen Ursachen der Währungskrise.

Warum ist es denn schlecht wenn der Rubel fällt?

Nun, die erste Auswirkung ist nicht ganz offensichtlich, wie man meinen könnte. Viele Migranten aus Russland im fortgeschrittenen Alter leben in Deutschland. Ein großer Teil Ihrer beruflichen Karriere fand in Russland statt, dementsprechend steht ihnen in Russland Rente zu, eine lächerliche Rente nach deutschen Verhältnissen, ja sogar in Russland ist es nichts – die Altersarmut ist ja in Russland ein bekanntes Problem. Dennoch macht es einen Teil des Einkommens dieser älteren Migranten dar. Wenn sich dieses Einkommen mit dem Verfall des Rubel halbiert, rutschen viele (weiter) in die Sozialhilfe, d.h. der deutsche Staat muss aufkommen. Sie meinen das sind Peanuts? Nun, rechnen Sie mit einigen Huntertausenden Betroffenen?

Die zweite Auswirkung ist ebenfalls die wirtschaftliche, und relativ absehbar. Das ist die Auswirkung mit der Medwedew neulich den Westen wieder mal versucht hat einzuschüchtern. Oder auch die eigene Bevölkerung auf die Seite der Regierung zu bringen. Sie liegt auf der Hand: haben die Russen weniger Geld, können wie weniger waren aus dem Westen kaufen. Und das kann für einige Firmen unbedeutend sein, während es für die anderen existenzbedrohend sein könnte. Denken Sie an die Firmen, deren Kunden in Russland ansässig sind. Produkte der deutschen Maschinenbau- oder Stahlindustrie, die gerade in Russland aufgrund der Größe des Landes oder der besonderen Witterungsverhältnissen oder der Energieindustrie gefragt sind.

Und zuletzt die wichtige und die aus meiner Sicht einzige wichtige Antwort, warum es schlecht ist, wenn der Rubel fällt. Es trifft nicht Putin, nicht die Oligarchen, sondern die russische Mittelschicht und die ärmeren Teile Bevölkerung. Nicht nur sollte man auf die Mittelschicht zählen, um die Demokratie und Menschenrechte in Russland auszubauen – einer Schicht die gerade erst entstanden ist und die Vorzüge unserer Gesellschaft durch das Kennenlernen der Welt und der Menschen außerhalb für sich entdeckt. Man sollte aus einfachen ethischen Gründen sich nicht darüber freuen, wenn es dem anderen aufgrund der von ihm nicht abhängenden Geschehnissen, nicht mehr das Geld reicht um seine Miete zu bezahlen und seine Familie zu ernähren.

Der ein oder andere wird sagen: „Wir treiben die Menschen so auf die Barrikaden. Die unzufriedene Bevölkerung wird die Regierung bei der Wahl oder sogar früher schon bestrafen und absezten.“ Nein. Erstens, gleicht es einer Kanonendiplomatie, und zweitens, das könnte nach hinten losgehen. Die Propaganda-Spezialisten aus Kreml setzen alles auf diese Karte und bisher haben sie die besseren Karten in diesem Spiel um die Zukunft Russlands.

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