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Ukrainische Miliz soll in Serdjuki oder Gendarmerie umbenannt werden

Für die Ordnungswächter wird nach einem neuen Namen gefahndet. Die Bezeichnung „Polizei“ wurde sofort als ungeeignet abgelehnt. Astrologen raten Gendarmen wieder einzuführen.

Die Miliz, die das Volk beschützt, möchte man umbenennen – man sagt, es ist an der Zeit, sich von der sowjetischen Vergangenheit loszulösen. Wenn in benachbartem Russland Polizei entstehen könnte, wird diese Bezeichnung in der Ukraine dagegen in Frage gestellt. Der Berater des Ministers des Innenministeriums der Ukraine, der Oberst der Miliz Konstantin Stognij berichtete, er habe die Idee mit seinem Chef Anatolij Mogilew besprochen, und ein Arbeitskreis, der sich mit der Umbenennung beschäftigen werde, sei schon gebildet. Der Arbeitskreis soll feststellen, wie kostspielig die Maßnahme sein wird (man braucht Geld für neue Formulare, Stempel, Uniform, Schilder). „Wir müssen eine Entscheidung treffen, doch das Wort „Polizei“ eignet sich nicht, denn in der Ukraine werden die Polizisten möglicherweise als „Polizeier“ wie zu den Kriegszeiten genannt.“, erklärte Stognij der Zeitung Segodnja gegenüber. Er kündigte an, dass Bürger in der Online-Diskussion auf der Webseite des Innenministeriums (mvs.gov.ua) zum Thema öffentlich Stellung nehmen können. Die Zeitung fand heraus, was die Milizbeamten selbst von der Umbenennung halten, sowie was Geschichtswissenschaftler und Astrologen vorschlagen.

Ansicht der Miliz

„Das System des Innenministeriums soll zunächst von Grund auf reformiert werden. Nur dann kann man sich über einen neuen Namen Gedanken machen.“, meint der Generalmajor der Miliz, der Exvorgesetzte der ukrainischen Verkehrspolizei Aleksej Kalinski. Der Generaloberst und der ehemalige erste stellvertretende Minister der inneren Angelegenheiten Michail Kornijenko denkt anders: „Ich bin für die Umbenennung. Außerdem sollen unsere Einheiten als Polizei (vom altgriechischem polis – der Staat, die Stadt) bezeichnet werden. Das Wort „Miliz“, das vom Lateinischen militia abgeleitet ist und „Heer“ bedeutet, hat nämlich einen bestimmten Sinngehalt, der allein für revolutionäre Erschütterungen geeignet ist: Miliz ist eine Art Volkslandwehr. Darüber hinaus sollte die Polizei innerhalb des Innenministeriums in eine abgesonderte Einheit ausgegliedert werden. Ferner muss man die Funktionen des Innenministeriums selbst revidieren, denn diese sind umfangreicher als bei der Polizei. Zum Innenministerium sollten beispielsweise die Einheiten gehören, die für Migration und Schutz der Staatsgrenze zuständig sind.“ Ein Major der Miliz aus der Kiewer Garnison äußerte sich bündig: „Es ist mir egal. Hauptsache, dass wir unseren Lohn bekommen, mit Wohnungen versorgt sind und bei der Arbeit nicht eingeschränkt werden.“ Die bekannte Rechtsanwältin Tatjana Montjan meint ja auch, dass die Bezeichnungsänderung nichts bringen wird: „Durch die Umstellung der Betten im Puff ändert sich die Qualität der Dienstleistungen nicht.“

Andere Ansichten

„Bis zum 17. Jahrhundert fehlte ein Begriff wie Miliz – für die Sicherheit haben die Militär gesorgt. Zu den Zeiten des Hetmanates im 17. Jahrhundert erfüllten die sogenannten „Serdjuki“ die Funktionen der Miliz“, erzählt der Historiker Jaroslav Tintschenko, „Das war die persönliche Garde der Oberhäupter der Kosaken. Die Bezeichnung „Miliz“ in unserer Gegend entstand 1917, ein Jahr später wurde diese in Derzhavna Varta (Staatspatrouille) umbenannt, dann in Gendarmerie, erst nach 1920 wieder in die Miliz.“ „Im 19. Jahrhundert gab es Urjadniki (Unteroffiziere bei den Kosaken). Sie bewachten die Ordnung auf dem Lande und in Arbeitersiedlungen“, fügt der Geschichtswissenschaftler Alexander Reent hinzu, „Im 18. – 19. Jahrhundert gab es viele Bezeichnungen für Kosakeneinheiten.“ Beide sind der Meinung, dass man heute andere Veränderungen braucht, – die Bezeichnung allein ändere nichts.

Alternative Wissenschaftler sind uneinig. „Das Wort „Miliz“ ist durch die Zahl Vier geprägt, sie bedeutet Sicherheit und Planmäßigkeit“, sagt die Nummerologin Ljudmila Sawina, „Dagegen ergibt das Wort „Polizei“ die Drei als Ergebnis der Addition, diese ist die Zahl des Showbusiness, der Freude und des Charismas. In unseren Ländern eignet sie sich nicht für die Organisation, die die Ordnung bewahren soll.“ „Man darf die Miliz nicht umbenennen!“, behauptet der Astrologe Wlad Ross, „Der Buchstabe M selbst ist mystisch. Der hat eine zerstörende, bürokratische Kraft, daher gibt es Schmiergelder, Erpressung und Betrug. Es wäre besser, wenn dieses Amt mit den Buchstaben H, Z oder G anfinge. Zum Beispiel, Gendarmerie: Es gäbe gewiss weniger Korruption“.

3 Kommentare zu “Ukrainische Miliz soll in Serdjuki oder Gendarmerie umbenannt werden”

  1. Alexanderam 12.11.2010 um 08:21

    Die Miliz nur umzubenennen wird auch nicht reichen, das Negativimage zu beenden. Und wenn dann kommt nur Polizei in Frage, das kennt jeder und wird fast um den ganzen Globus verwendet.

    Und das eine Umbenennung Geld kostet haben die Politiker ja sehr gut erkannt. Stempel und Briefpapier, ja. Sehr gut erkannt. Weiter reicht es dann auch nicht um sich mal Gedanken zu machen wie man das Land auf einen besseren Weg bringen kann.

  2. Lalaboyam 12.11.2010 um 08:31

    ja, das stimmt. in Georgien, habe ich gehört, dass die Umstrukturierung sehr gut geklappt hat. Man hat so einiges geändert – als Image. Die Menschen sehen mittlerweile die Polizei als Freund und Helfer und nicht als Feinde. Geht also auch. Mal schauen, was daraus in der Ukraine wird. Bin aber skeptisch.

  3. […] Im Laufe der Reformierung des Innenministeriums wechselt Milizija (die russische Bezeichnung für Polizei) ihren Namen zur Polizija, befreit sich von den vielen überflüssigen Funktionen, und die Anzahl der Mitarbeiter wird bis zum 1. Januar 2012 um 20% reduziert. Alle Mitarbeiter des Innenministeriums werden oder sind bereits aus dem Stab entfernt, und werden in die Polizei nur nach der verbindlichen Neuattestierung wiederaufgenommen. Damit folgt Russland der Reform, die auch in der Ukraine letztes Jahr ein Thema war. […]

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