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Tierquälerei und Massentötung von Hunden in der Ukraine für eine „saubere“ EURO 2012?

Am 11.11.2011 fand in Kiew ein Fußballfreundschaftsspiel zwischen Ukraine und Deutschland statt, in dem ein friedliches 3:3 gespielt wurde. Beide Mannschaften weihten das neue Olympiastadion, in dem das Finale der EM 2012 ausgetragen wird, ein. Spielerisch und taktisch gab es für Fußballfreund viel zu sehen. Das Olympiastadion, das zwar noch nicht vollständig fertig ist, hat alle meine Bekannte sowie die meisten Menschen, deren Meinungen ich gelesen habe, sehr beeindruckt. Das Fußballfest kann beginnen! Aber…

Wir haben einige Kommentare zur unserem Beitrag über das ausstehende Freundschaftsspiel erhalten in denen die Leser bestürzt über Massentiertötungen in der Ukraine hinweisen, manche rufen zum Boykott auf. Der Auslöser war wahrscheinlich eine Videoreportage von ARD Brisant, die hier auf youtube zu finden ist.

In der Ukraine hatte in März ein großer Protest stattgefunden, auf dem Bürger gegen massenhaftes Töten von Tieren demonstriert haben. Laut mehreren Aussagen wurden seit Februar zig Hunde gefunden, die in unterschiedlichen Städten vergiftet wurden. Die armen Tiere sterben nach stundenlangen Quallen, nachdem sie irgendetwas auf der Straße gegessen haben. Unter diesen Hunden waren auch keine Straßenhunde. Wer das Gift auf der Straße verteilt hat ist bis jetzt unklar.

Wir haben versucht zu recherchieren, ob es wirklich als erwiesen gilt, dass Tausende von Tieren dem sauberen Euro 2012 wegen getötet werden. Leider konnten wir keine offiziellen Bestätigungen finden. Auch Bürger sagen, dass es durchaus möglich ist, aber man weiß nicht Bescheid. Man höre zwar vereinzelt, dass Tiere getötet werden, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass es ein staatliches oder sonstiges Programm zur Säuberung der Städte sei.

Strassenhunde in der Ukraine ist ein Problem für Menschen und Tiere | Quelle: http://dillandfriends.blogspot.com/

Strassenhunde in der Ukraine ist ein Problem für Menschen und Tiere | Quelle: http://dillandfriends.blogspot.com/

Immer wieder tauchen somit die gleichen Videos und Fotos auf, die in den Petitionen oder in den Beiträgen zitiert werden. Diese vereinzelte Fakten werfen den Euro 2012 Organisatoren und der gesamten ukrainischen Bevölkerung vor, Tiere gezielt zu töten. Wobei, leider, ähnliche Bilder uns aus der ganzen Welt erreichen können, aber erst nur wenn Medien darüber verstärkt berichten oder ein größeres Ereignis stattfindet, diese als Sensation verkauft werden. Aber dieses Problem ist nicht über Nacht entstanden. Seit Jahren wächst die Zahl der Straßenhunde und seit Jahren tötet man sie qualvoll.

Die Zahl der Straßenhunde überwältigend

Die Anzahl der Straßenhunde und – Katzen in der Ukraine ist sehr hoch. „Tierschützer sprechen von mehreren hundertausenden streunenden Hunden landesweit„, wie der Autor des Beitrags Olaf Bock angibt. Fügt aber hinzu: „diese Zahl kann ich leider nicht persönlich verifizieren„. Es ist tatsächlich schwierig, da in der Ukraine kaum Statistik darüber geführt wird.

Wir haben uns mit dieser Frage, wie viele Straßenhunde es in der Ukraine gibt, an Botschaftlerin von  Europäischer  Tier-und Naturschutz e.V., kurz ETN e.V., Maja Prinzessin von Hohenzollern gewendet. Sie hat die Zahl, die im Veideobeitrag erwähnt wurde bestätigt: „Es gibt schätzungsweise 250 000 Straßenhunde in der Ukraine„.

Die Bürger der Hauptstadt geben in persönlichen Gesprächen an, dass zumindest vom Gefühl her, die Zahl der frei laufenden Tieren in den letzten Jahren um vielfaches gestiegen ist. Die Hunde laufen meist in Gruppen und verlieren Angst vor den Menschen. Da sie immer böse und hungriger werden, häufen sich in Übergriffe. So ist es nicht selten, dass man Abends fünf bis zehn bis über dem Knie große Hunde auf der dunklen Straße trifft. Ein Glück, wenn einige Menschen in der Nähe sind, die die Hunde verscheuchen.

Möglichen Ursachen

Die Ursachen sieht sie darin, „dass die Menschen keine Verantwortung für die Tiere übernehmen, dass sie sie nicht sterilisieren und sie einfach auf die Straße schmeißen. Dort vermehren sich die Hunde dann unkontrolliert. Es ist nicht die Schuld der Hunde, dass sie auf der Straße leben müssen, sondern die der Menschen. Fehlende Tierpass- und Microchip-Pflicht für Hunde und Katzen fördern diese Entwicklung„.

Es ist davon auszugehen, dass das Land und die Menschen einzeln wegen schwachem wirtschaftlichen und sozialen Niveau, sich um die Tiere weniger kümmern. Es darf aber keine Entschuldigung sein. „In Deutschland gab es noch keine 250 000 auf der Straße“, sagt Maja Prinzessin von Hohenzollern, weil man hier entsprechende Gesetze habe und auch im wesentlichen eine andere Kultur im Umgang mit Tieren pflege.

Dr. Michelle Thurmeier, die seit Jahren für die Tierschutzorganisation TASSO e.V. tätig ist, Deutschland habe ähnliche traurige Geschichte hinter sich: „Das war früher auch in Deutschland der Fall – man sagte, dass Tiere keine Seele hätten und keinen Schmerz empfänden, zumindest nicht so wie wir Menschen“.

In der Tat werden Kinder in Deutschland seit ganz klein gelehrt, dass man sich um eigene Tiere kümmern soll. Es wird auch überall gezeigt, dass man für Tiere Heim, Ärzte, Pflege etc. hat. Kinder wachsen mit dem Gedanken, Tiere seien ein Teil der Gesellschaft. Die Ukraine ist leider noch nicht soweit. Es gibt auch keine politische und gesellschaftliche Propaganda, weil man sich eher um andere Probleme kümmert. Auch Geld für Tierschutzorganisationen, Tierheime, Sterilisationen und ärztliche Pflege fehlen.

Mögliche Lösungen

Tiere müssen human behandelt werden. Es ist klar, dass es vorkommen kann, dass Herrschen sich nicht um sie kümmern können. Deswegen muss man Gesetze und Programme ausarbeiten, die die Menschen und Tiere in dieser Situation unterstützen. So ein Programm nennt Maja Prinzessin von Hohenzollern „Neuter & Release“, „also Sterilisieren & Freilassen, ist die einzig humane, effektive und nachhaltige Methode zur Dezimierung der Straßenhundepopulation. SO kann man die Zahl der Straßenhunde binnen weniger Jahre um das 8-fache reduzieren. Dies ist in wissenschaftlichen Studien z.B. Studie WHO 1990 genauso nachgewiesen worden, wie auch der Umstand, dass das pure Töten der Hunde deren Anzahl nachhaltig nicht reduziert„. Der ETN e.V. hat in vielen Einsatzorten Europas, wie z.B. in Rumänien, wo in den letzten 5 Jahren unfassbare 10 Mio. Straßenhunde ebenso kaltblütigermordet wurden, in einigen Städten „Neuter& Release“ Programme durchgeführt und dadurch in einer Stadt mit 4000 Hunden deren Zahl binnen 3-4 Jahren auf 400 reduziert.

Um ein Druck auf Politiker zu machen und die Menschen für das Problem zu sensibilisieren, kann man „offiziell protestieren, konkrete Hilfe anbieten, die verantwortliche Veranstalterin UEFA kontaktieren, die FIFA, den DFB, die Bundesligavereine, Spieler, Sponsoren anschreiben„, wie die bekannte Botschafterin uns verrät.

Laut ihr ist Boykott so einer Veranstaltung ein möglicher Werkzeug: „die EM 2012 boykottieren, keine Fanartikel kaufen, friedliche Mahnwachen vor Botschaften veranstalten etc.“

EURO 2012 in Polen und Ukraine boykottieren?

Kann ein Boykott DIE Lösung sein? Bei ETN e.V. ist man davon überzeugt: „der Boykott einer Sportveranstaltung in deren Vorfeld tausende unschuldige Hunde getötet wurden, z.T. lebendig in fahrende Krematorien verbrannt, vergiftet, in Massengräbern lebend verschüttet oder in lebend in Müllautos, wo sie in die Walzen geraten.. ist Ausdruck dessen, dass man nicht mit einverstanden ist, dass für den Sport gemordet wird„. Und man habe zu so einem Boykott seine Berechtigung, denn das Töten von Straßenhunden ist in der Ukraine seit 2006 gesetzlich verboten. Laut ETN e.V. müsse man hier ein Zeichen setzen, damit das sich bei späteren Veranstaltungen nicht wiederholt.

Maja Prinzessin von Hohenzollern: „Der ETN e.V. wird sich an friedlichen Mahnwachen etc. beteiligen

Es gibt aber auch Tierschützer, die von der Wirkung einer Boykotts nicht überzeugt sind. Wir haben bei Dr. Michelle Thurmeier gefragt, ob sich ein Boykott lohnen würde: „Angesichts der fehlenden Unterkünfte für Gäste dürfte sich ein Boykott ohnehin erübrigen„. Die größere Wirkung hätte eine Spende von UEFA und von der Ukraine, die an der Veranstaltung sehr viel Geld verdienen. Somit „wäre ein Boykott sogar kontraproduktiv„. Laut Dr. Thurmeier ist es wichtig, „dass die Menschen, die meinen guten Gewissens in die Ukraine reisen und Fußball genießen zu können darüber informiert sind, dass diese Massentötungen u.a. wegen ihnen stattfinden„.

Es gibt mittlerweile einige Foren und Webseite, die zum Boykott aufrufen. Auf facebook wurde eine Gruppe UEFA EURO 2012 Boykott für die Gleichgesinnten gegründet.

Tierschutzkonferenz in Kiew

Am 17. November 2011 wird in Kiew, Ukraine eine Pressekonferenz von ENT e.V. veranstaltet. Der Präsident Dieter Ernst und Maja Prinzessin von Hohenzollern werden persönlich dabei sein. Dort wird offiziell protestiert, aber auch konkrete Hilfe angeboten. Man werde auch mit verantwortlichen Politikern vor Ort sprechen und mit ukrainischen Tierschützern kooperieren.

Was ist Ihre Meinung?

Sagen Sie Ihre Meinung? Was denken Sie über die Tiermorde? Was ist die Ursache? Wie können oder wollen Sie den Tieren und den Menschen in der Ukraine helfen? Werden Sie Euro 2012 boykottieren?

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Wir danken Herrn Olaf Bock, Ihrer Hoheit Maja Prinzessin von Hohenzollern, Dr. Michelle Thurmeier für umfangreiche Informationen und Kommentare zu diesem Thema.

6 Kommentare zu “Tierquälerei und Massentötung von Hunden in der Ukraine für eine „saubere“ EURO 2012?”

  1. […] der tollen umfassenden Untersuchung der Tiertötungsvorwürfe gegen die Ukraine, die mein Co-Autor am 16.11. in unserem Magazin veröffentlichte, möchte […]

  2. S.Kolekam 17.11.2011 um 13:56

    Ich bin, nach wie vor, erstaunt über Ihren vorherigen Artikel: Massentötung von Hunden in der Ukraine: Alles nur erfunden? (http://medwedew.de/massentotung-von-hunden-in-der-ukraine-alles-nur-erfunden-9995/), so dass ich einfach sprachlos bin.

  3. […] Behörden fehlt es an Geld und Erfahrung, um die Anzahl der Tiere human zu reduzieren, wie wir in einem früheren Beitrag geschrieben haben. Es fand diesbezüglich eine Konferenz mit mehrere Europäischen und […]

  4. Gabiam 20.11.2011 um 16:53

    Den Behörden fehlt es an Geld? Das kann ich nicht glauben, vielmehr wandert das dafür vorgesehene Geld in die Taschen der Politbonzen!!! Es wurde doch Geld dafür bereitgestellt? Wo ist es? Egal ob nun speziell für die EM oder aus welchen Gründen auch immer, dieses widerliche Morden muß aufhören!!! Warum werden die Tiere qualvoll vergiftet, erschlagen, lebendig verbrannt? Dafür gibt es keinen Grund und es ist einfach nur schrecklich!!
    Maja und Dieter Ernst haben ihre Hilfe angbeboten, warum wird sie nicht angenommen?
    Es muß aufhören und zwar sofort!!!!

  5. kathrinam 20.11.2011 um 18:58

    Diese Obrigkeit dort wirtschaftet in die eigene Tasche rein, das ist allgemein bekannt das die genauso korrupt sind wie die Rumänen!
    UKRAINE DAS LAND DER SCHANDE AUF DER WELT!!! u.a.
    BOYKOTT UKRAINE!!!
    STOP ANIMAL CRUELTY!!!

  6. Boykottgesellschaft Deutschlandam 29.04.2012 um 22:50

    […] Politikern, Euro 2012 Organisatoren und einfachen Menschen. Der Grund war ein Gerücht, die Ukrainer töten Straßenhunde, um die Straßen der Fußballeuropameisterschaft wegen zu säubern. Die Gerüchte […]

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