Wenn man davon liest, dass die russische Gesellschaft die Regime Putins satt hat und bereit für demokratische Veränderungen sei, vergisst man oft darüber, dass die Russen oft Demokratie als „Recht der Mehrheit“ auffassen und dabei gern die Minderheiten diskriminieren, seien es nationale Minderheiten, Schwule oder Behinderte. Man bekommt von Russen in Europa oft zu hören, dass hier auffällig viele Behinderte sind. „Was ist bei euch los“ – wundern sich die Touristen – „Überall Autisten, menschen mit körperlichen Behinderungen… Irgendwas ist mit der Nation hier nicht in Ordnung.“ Kein Wunder, denn in Russland gibt es schon seit der Sowjetzeit keine ausreichende Möglichkeiten für Behinderte ein normales Leben zu führen. Sie werden als minderwertige Mitglieder der Gesellschaft angesehen, die in Krankenhäusern und zuhause versteckt werden.