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Studententag in Russland dieses Jahr nicht so feierlich

Jedes Jahr versammeln sich am 25. Januar Studenten und Dozenten. Der 25. Januar ist in Russland der Tag der Studenten, oder Tatjanas Tag. Wegen des tragischen Vorfalls in Domodedowo haben die Studenten beschlossen, den Tag von Tatjana nicht zu feiern.

Aber die Studierenden der Hochschulen von Tomsk haben sich trotzdem am Denkmal der himmlischen Schutzpatronin  versammelt. Die Geschichte der Aufstellung dieser Skulptur in der sibirischen Stadt ist wahrhaftig erstaunlich.

Das ist wie eine Begegnung mit eigener Vergangenheit. Der Denkmal, der nach ihrem Vorbild erschaffen worden ist, steht auf dem Zentralplatz von Tomsk schon das siebte Jahr. Der Bildhauer Nikolaj Gnedych erinnert sich: das Modell habe er einfach nach Gefühl gewählt.

Nikolaj Gnedych, der Autor des Denkmals von Tatjana, der Schutzpatronin der Studentenschaft: „Als ich sie zum ersten Mal gesehen habe, kann man auch sagen, einfach von der Straße. Vielleicht war es Schicksal“.

In der Werkstatt des Bildhauers haben sich immer noch alle Skizzen und Entwurfe erhalten. Anfangs hatte Nikolaj Gnedych vor, die heilige Tatjana zu meißeln. Aber Heiligkeit und Kirchlichkeit passten überhaupt nicht zum Studentengeist, so wie ihn der Autor darstellen wollte. In Endeffekt hat die örtliche Eparchie die herausgekommene Tatjana als eine Heilige nicht anerkannt.

Siluan, der Dekan des Bogorodize-Aleksiewskij Klosters: „Ich habe meine Gedanken ausgesprochen, er hat sie sich aufmerksam angehört, und wir haben uns darauf geeinigt, dass es der Denkmal einer einfachen Tatjana sein wird, und keiner heiligen Tatjana“.

So ist die heilige Tatjana zur einfachen Tatjana, der Schutzpatronin der Studenten, geworden.

Tatjana Rudko, der Prototyp des Denkmals der Tatjana, der Schutzpatronin der Studentenschaft: „Es sind komplizierte Gefühle. Wahrscheinlich ist das eher eine Sammelgestalt, die in sich nicht direkt mich aufnimmt, sondern allgemein Jugend, Studentenschaft, Herzensgüte verkörpert“.

Auf der Spitze der Säule, die nach Vorhaben des Autors den Tempel der Wissenschaft symbolisieren soll, befanden sich anfangs zwei Engelchen. Aber, da Tatjana zum weltlichen Mensch geworden ist, ist es beschlossen worden, auf sie zu verzichten.

Die örtlichen Spaßvogel-Dichter widmen der Statue immer noch ironische Gedichte. Innerhalb dieser 6 Jahre, während deren die Bronzefigur den Platz geschmückt hat,  hat die Tatjana selbst eine ernsthafte wissenschaftliche Karriere gemacht. Sie hat die Dissertation in Biologie abgeschlossen, viele wissenschaftliche Artikel  geschrieben, eine Prämie „für den Beitrag zur Entwicklung der Medizin“ bekommen. Heutzutage beschäftigt sich Tatjana mit einem neuen Innovationprojekt, für den ein großer Regierungszuschuss zur Verfügung steht.

Jedes Jahr versammeln sich hier am 25. Januar Studenten und Dozenten, trinken nach Tradition Medowucha (alkoholhaltiges Honiggetränk) und singen „Gaudeamus“. Man verabredet sich zu Dates am Denkmal von Tatjana, dort treffen sich ehemaligen Absolventen der Hochschulen. Im Frühling steckt man in die Hand von Tatjana Blumensträußchen, und letzten Winter stand die Bronze-Tatjana bei dem Frost von -40 Grad fast eine ganze Woche in einer Strickmütze, einem Schal und Handschuhen, die ihr fürsorgliche Studenten angezogen haben. Vor den Klausuren kommt man zu Tatjana, um den Rand ihres Kleides zu berühren. Studenten glauben: das bringt Glück.

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