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Russlands Kultur Highlights 2011 – Teil 1

Bolschoj Theater dominierte die Schlagzeilen im vergangenen Jahr. Foto: Screenshot von Bolshoi.de

Wir setzten unsere Serie der Highlights des vergangenen Jahres im Leben Russlands, die wir mit einem Rückblick der politischen Geschehnisse anfingen. In einem zweiteiligen  Review erzählen nun wir über das Kulturleben Russlands im Jahr 2011.

2011 war ein Kampfjahr. Lenta.ru berichtet über Skandale, Entdeckungen und Prämien in der russischen Kultur.

Skandal des Jahres

Das Wort „Skandal“ wurde unwillkürlich oft in Pressemitteilungen benutzt, wenn man übers Theaterleben des Landes sprach. Schauspieler des Stanislawski-Theaters forderten den Abtritt des Intendanten Alexander Galibin, der „Majakovka“ – Sergej Arzibaschevs, aber „Taganka“ wurde zum Höhepunkt des Eklats. Als Ergebnis des Skandals, der sich während des Gastspiels in der Tschechei ereignete, verließ Juri Ljubimov das Theater am Taganka, weil er „Unverschämtheit und Beleidigungen“ nicht ertragen wollte.

Das Unangenehmste an dieser Geschichte ist es, dass die ganze „schmutzige Wäsche“ zum Vorschein kam, und Zuschauer ungewollte Zeugen der Streiteren, Beschuldigungen, Vorwürfe und Schimpfereien wurden. Diese Erfahrung führte zur Einsicht, dass Repertoiretheater in einer Krise stecken und ein neues Vertragssystem, Aufgabenteilung zwischen dem Leiter und dem Direktor, Schauspielerattestation und – das Wichtigste – neue junge Mitwirkende, seien es Schauspieler oder Regisseure, bräuchten.

Kündigung des Jahres

Auch die Musikwelt hatte ihre erschütternden Momente. Noch bevor Studenten und Lehrende von „Gnesinka“ gegen die Einführung des Musikkollegs in die Struktur der gleichnamigen Akademie protestierten, nannte Dirigent Gorenstein den Cellisten Achnazarjan während Tschaikowsky-Wettbewerbs „den Aul“ (aus dem Russ. kleine Siedlung im Kaukasus und Mittelasien), womit er schlechte Erziehung des Musikers meinte. Danach lehnten sich andere Musiker des Staatsorchesters gegen Gorinstein auf und beschuldigten ihn der Rüpelei, der Tyrannei und des Einkassierens von Geldstrafen im Laufe der ganzen 9 Jahre seiner Tätigkeit als Dirigent. Das Kulturministerium, das sich am letzten Moment zu einer Konfliktbeteiligung entschloss, führte einen Musterprozess, der aber v.a. seine eigene Unwissenheit oder auch Untätigkeit ins Licht rückte. Gorinstein droht inzwischen mit einer Gerichtsklage.

Ernennung des Jahres

Die wichtigste Eröffnung des Jahres ist nicht die historische Bühne des Bolschoi-Theaters, sondern Sergej Kapkov. Er ist wahrscheinlich der effektivste Manager auf seinem Gebiet, der nicht nur spricht, sondern auch was macht. Die Verwandlung des Zentralen Erholungs- und Kulturparks namens Gorki in einen kulturellen Platz mit Interessengemeinschaften und schönen Rasenflächen ist sein größter Verdienst. Dank dieser Erfolge ernannten ihn Behörden zum Kulturabteilungsleiter der Hauptstadt. Kapkov hat bereits viele Pläne, die ihm hoffentlich gelingen werden. Eines erreichte er schon – die Vereinbarung über die Rückkehr in die Heimat des Regisseurs Anatolij Vassiliev.

Highlight des Jahres

Nicht und niemand konnte im Jahr 2011 mit Bolschoi-Theater mithalten, was die Anzahl der gelieferten Nachrichten angeht. Alles, was sich dort abspielte, hatte Größe: seine Schließung, seine Wiederherstellung, die Vorbereitung zur Wiedereröffnung, die Wiedereröffnung selbst sowie seine Premieren. Zunächst schauten alle gespannt den Renovierungsarbeiten zu, danach beobachtete man die Avantgarde-Oper „Ruslan i Ludmila“ (aus dem Russ. „Ruslan und Ludmilla“) von Tschernjakov und das Ballett „Dornröschen“ von Grigorowitsch, später den Weggang führender Tänzer Natalia Ossipova und Ivan Vassiliev sowie einen kleinen Streit mit „Michajlovskij“-Theater, das die Artisten in seine Truppe aufnahm. Außerdem wurde die U-Bahn im Zentrum von Moskau wegen der Akustik des Bolschois mehrmals geschlossen, und Nikolaj Ziskaridse ließ seine Kritik gegen schlechte Qualität des Stucks aus.

Interessanterweise wirkten sich Erfolge und Misserfolge eines Theaters positiv auf die Aktivitäten der anderen Schauspielhäuser aus. Man spricht sogar darüber, dass die Mitarbeit Petersburger Theater kein Zufall sei und es um das Wiederaufleben der vereinten Direktion kaiserlicher Theater geht.

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