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Regiment Asow – wer kämpft dort?

Eine der umstrittensten und effektivsten Einheiten in der ukrainischen Nationalgarde ist Asow, die am 5. April 2014 in der Ferienstadt Berdiansk am Asowschen Meer von Mitgliedern vom „Automaidan“ und aus dem „Rechten Sektor“ gegründet wurde. Seit dem 20. April hat man angefangen weitere Freiwillige aufzunehmen. Am 12. November wurde die Einheit ein Teil der neugegründeten Nationalgarde.

Es kursieren viele Eingaben, wer in der Einheit kämpft. In der deutschen Wikipedia werden die Mitglieder ausschließlich als rechtsradikal und neo-nazistisch bezeichnet. Das stimmt jedoch nicht ganz. Einer der Mitgründer von Azov war Nathan Hazin, Hauptmann einer jüdischen Hundertschaft auf dem Maidan während der Revolution im Winter 2013-2014.

Bekannte ukrainische Bloggerin Olena Bilozerska beschreibt Azov, wie folgt:

Mitglieder der „Patrioten der Ukraine“ und „Sozial Nationale Versammlung“ sind der Rückgrad von Asow, aber bei weiten nicht alle Kämpfer sind Nationalisten. Die Leute mit moderaten Ansichten kümmern sich um die Jungs mit tätowierten Runen und Schriften wie „100% racist“. Oder wenn doch, dann gibt es keiner zu, weil es, nicht zuletzt dank dem Oleg Liaschko, es möglich ist zu kämpfen.

Video über Asow

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Der Innenminister der Ukraine Arsen Awakow aus der Regierung von Jatsenjuk hat die angeblich rechte Ideologie des Regiments so kommentiert:

Ja, die meisten Mitglieder haben eigene Weltansichten. Aber wer hat gesagt, dass ihr sie verurteilen könnt? Vergesst nicht, wie viel der Bataillon für die Ukraine gemacht hat… Jeder der behauptet, diese Jungs hätten nazistische Ansichten, Hakenkreuze trügen und so weiter – lügt und Unsinn macht. Ich habe viele Stunden in den Gesprächen mit den Jungs verbracht. Dort gibt es keine Nazis, keine Hakenkreuze.

Im September 2014 hat der Bataillonsführer Andrij Bilezkyj in einem Interview erzählt, wer in der Einheit kämpft. Demnach haben zwei Drittel der Mitglieder rechtsradikale oder ähnliche Ansichten. Sie kommen sowohl aus der Ukraine als auch aus Westeuropa, Russland und Weißrussland. Viele aus der Fußballszene. Einige sind professionelle Elite-Soldaten.

„Nicht zuletzt dank den Ausländern, unter anderem vielen Russen und Weißrussen, ist der Bataillon so erfolgreich. Sie glauben genau so, dass sie für eine bessere Zukunft des Russlands kämpfen, gegen das Regime von Putin“, sagte Andrij Bilezkyj.

Ist Ukraine faschistisch und fremdenfeindlich?

Zwar steigt in den vergangenen Jahren die Anzahl der alarmierenden Berichte über antisemitisch und rassistisch motivierte Straftaten, vermehrt gegenüber Roma und Juden, wie Kerstin Zimmer und Femke van Praagh aus der Universität Marburg herausgefunden haben. Man kann jedoch nicht von steigender Popularität der Nationalisten in der gesamten Bevölkerung reden. Denn, wie Andreas Umland in seiner Analyse „Die andere Anomalie der Ukraine: ein Parlament ohne rechtsradikale Fraktionen“ feststellt, haben keine rechtsradikale Parteien bei den letzten zwei Wahlen besonderen Erfolg gehabt. Auch wenn Ukraine eine der niedrigsten Quoten für den Zugang ins Parlament hat, haben nur einzelne Politiker mit rechtsradikalen Ansichten in die Rada geschafft. Das sei besonders im Vergleich zu den anderen osteuropäischen aber auch zu westeuropäischen Ländern, wie Frankreich, als unbedeutend zu betrachten.

Auch viele Vertreter der religiösen Minderheiten sehen keine wachsende Fremdenfeindlichkeit in der Ukraine, obwohl diese als Ursache aber auch Rechtfertigung für die bewaffnete Auseinandersetzung in den Regionen von Lugansk und Donetsk von Russland und einigen westeuropäischen Politikern genannt wird.

Es ist alles ruhig hier, keinerlei Probleme. Das, was Putin über Antisemitismus erzählt, ist glatt gelogen! Hier leben Ukrainer und Juden sehr friedlich miteinander.

Im „Asow“ gibt es ca. 1000 Mitglieder, davon ca. 750 mit mehr oder weniger radikalen Einsichten, darunter auch Russen, Weißrussen, und Westeuropäer. Die Nationalgarde der Ukraine zählt aber über 40.000 wehrpflichtigen Soldaten aus allen möglichen Ecken des Landes, mit ganz unterschiedlichen, Weltansichten, Glauben, sozialen Hintergründen.

Bewaffnung der radikalen Gruppen durch USA?

In den letzten Wochen kursieren Gerüchte über mögliche Waffenlieferung in die Ukraine, um dem Land gegen die Terroristen und russische Söldner zu helfen. Die Gegner dieses Vorhabens argumentieren, man würde damit die radikalen Gruppen mit Waffen versorgen, wie es in Syrien oder Iraq vorgekommen ist. Der Vergleich stimmt aber nicht, da der Staat Ukraine ein Recht aber auch die Pflicht zur Selbstverteidigung hat und derzeit alleine gegenüber einem sehr starken Gegner, dem Russland, alleine steht.

Ukraine verteidigt eigene Grenzen sowie eigene Bevölkerung, die niemals in den letzten mehr als zwanzig Jahre bedroht wurde. Es gab bis vor einem Jahr auch keine Anzeichen von einem angeblichen Bürgerkrieg. Und erst mit Söldnern und russischen Agenten, wie Streklov und Plotnitski, entstand dieser künstliche Konflikt.

Es existieren außerdem genug Verteidigungssysteme und Know-How, die dem Staat helfen kann, Zivilisten zu schützen und mit denen keine extremistische Gruppe andere Minderheiten bedrohen würde, wie Luftabwehrsysteme, unbemanntes Luftfahrzeuge und vieles mehr. Und radikale Gruppen sind eine Minderheit, auch wenn in einem Kampf durchaus effektiv.

Folgt man der Argumentation von den Gegnern, dann wird man leider feststellen, dass jede Armee entwaffnet werden müsse, weil in jeder Armee, wie auch in jedem Land Menschen mit radikalen Ansichten gibt. Um diese Menschen zu kontrollieren gibt es Gesetze und Kontolstrukturen, die man ausbauen und verbessern sollte. Ein Land mit über vierzig Millionen Einwohnern mitten in Europa darf man nicht alleine mit einem Aggressor lassen.

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