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Rammstein Konzert in Russland „Made in Germany 1995-2011“

Rammstein in Moskau. Foto: Ridus.ru

Zwei Tage in Folge – am Freitag und Samstag – sangen jeweils 20 Tausend Konzertbesucher mit der Industrial-Band aus Deutschland mit und zuckten zusammen durch wiederholte pyrotechnische Explosionen auf der Bühne. Am Montag kommt Rammstein nach St.Petersburg.

Attribute wie Fackeln, riesige OP-ähnliche Lampen, Masken, Feuer im Kochkessel schufen eine besondere Atmosphäre, wie die Fotos vom Rammstein Konzert zeigen. Es ertönte das Lied „Sonne“ – „Rammstein“ kam in Moskau an.

Es ist bekannt, dass jeder Musiker sich sein Publikum selbst aussucht. Man hätte in dieser Veranstaltung fast jeden erwarten können – verkleidete Freaks, Liebhaber der totalitären Musik, gepiercte Alternativmusiker… Aber den größten Teil der Zuhörer machten Väter mit heranwachsenden Söhnen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren aus oder sogar ganze anständige Familien.

Das Programm, das die Deutschen diesmal mitbrachten, passte am besten für ein erstes Kennenlernen: bereits der Name spielte darauf an, dass man keine konzeptuelle Show bezüglich eines neuen Werks erwartet sollte, sondern die Retrospektive dessen, was bereits gespielt, gesungen, ausgerufen und verbrannt wurde: vom ersten Album „Herzeleid“ bis zu dem temporär letzten „Liebe ist für alle da“.

Leider ereilte auch „Rammstein“ dasselbe Schicksal wie alle anderen Künstlerauftritte auf der Bühne der Sportanlage „Olimpijskij“: trotz mehrerer Lastwagen beladen mit Apparatur ging alles, was man den Songs entnehmen konnte, im Brummen, Knallen der Trommel und Gerassel der Pyrotechnik verloren.

Hier drehte sich alles um das Feuer. Feuer wurde eingeatmet, ausgespuckt, Rhythmus wurde durch Explosionen angedeutet. Flammen und Feuer war noch eine Sprache außer Deutsch, die hier gesprochen wurde. Erst wenn man dieses Konzert zum vierten oder fünften Mal sieht, versteht man, wie gefährlich das Ganze ist und dass nur die perfekte Genauigkeit in Millisekunden und Millimetern gerechnet diese Show mit ihren Tricks möglich macht.

Außer dem Feuerszenario spielte „Rammstein“ ebenso mit dem zweiten Klischee, dass man in Russland mit den Deutschen assoziiert, – Pornos. Wie die Väter ihren Söhnen das Erscheinen einer Domina und anderer pikanten Gestalten und Handlungen während des Liedes „Bück dich“ erklärten, bleibt unklar. Auf jeden Fall verwandelte sich die ehemals skandalöseste Band, deren Texte viele Menschen zum Erlernen der nicht sehr bequemen deutschen Sprache animierten, in einen teuren lukrativen Zirkus, der für die junge Generation als gutes Beispiel für die Erklärung der männlichen Natur dienen könnte.

Als das Publikum nach dem letzten Lied bereit war zu gehen, hörte man plötzlich eine Stimme, die in einem passablem Russisch fragte: „Wollt ihr noch ein Lied hören?“. Nach der Zusicherung dieses Wunsches sang die Band die Komposition „Moskau“, die nicht auf der Setlist stand, und das zur Hälfte auf Russisch. Zum Schluss stellten sich alle Musiker auf der Vorbühne auf und knieten nieder. Wahrscheinlich waren alle begeistert.

 

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