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München: Gut besucht auch ohne Russen

Normalerweise sind russische Touristen an Weihnachten und Silvester oft zu sehen und zu hören in der Altstadt und in den teuren Boutiquen von München. Denn die Stadt und die Umgebung haben viele Sehenswürdigkeiten, man ist nur wenige Stunden in Richtung Süden auf in den tollsten Skigebieten und kleine und große Geschenke in der bayerischen Hauptstadt einzukaufen ist ein Statussymbol. Und darauf legt man Wert. In der Tat hört man besonders im Winter oft die russische Sprache auf den Münchner Einkaufsstraßen, wie Kaufingerstrasse oder Maximilianstrasse, in den beliebten Restaurants und Brauereien, oder man sieht ausgefallene Autos mit russischen Kennzeichen. Nicht aber in diesem Jahr, wie schon im letzten Beitrag erwähnt wurde.

München in der Vorweihnachtszeit - mit vielen Attraktionen und gut besucht | (c) Foto: Konstantin Bazanov, medwedew.de

München in der Vorweihnachtszeit – mit vielen Attraktionen und gut besucht | (c) Foto: Konstantin Bazanov, medwedew.de

Die Daten vom statistischen Landesamt besagen, man habe spürbaren Rückgang von Buchungen aus Russland, sowohl in München als auch in Garmisch-Partenkirchen, einem der beliebtesten Winterzielen in den bayerischen Alpen. Im Jahr 2014 kamen 5,6 Prozent weniger russischen Urlauber nach München als im Jahr zuvor. Das wirkt sich auch auf die Umsätze aus. Der Einzelhandel registriert das Ausbleiben zahlungskräftiger Russen.

„Gefühlt zehn Mal weniger Russen“

Wenn die Angaben des statistischen Landesamtes stimmen, dann müsste das besonders jetzt, in der Weihnachts- und Silvesterzeit, spürbar sein. Und wo kann man das besser herausfinden, wenn nicht auf der Kaufingerstraße, einer der wichtigsten Einkaufsstraßen Münchens und einer der „umsatzstärksten Einkaufsmeilen in Deutschland“, sowie in der Umgebung. Hunderte Geschäfte mit Modekleidung, Elektronik, Lifestyle-Produkten und viel mehr ziehen Tausende Menschen in das Stadtzentrum, auch viele Russen sind darunter. In einem Augenoptik-Händler für Verbraucher sagt eine Kundenberaterin, es kommen spürbar weniger Russen. „Wenn früher täglich ca. zehn Kunden aus Russland kamen, dann sind es heute höchstens einer bis zwei“, so Elena H, die die russischen Kunden betreut.

Die Kaufingerstrasse ist die zentrale Einkaufsstrasse Münchens | (c) Foto: Konstantin Bazanov, medwedew.de

Die Kaufingerstrasse ist die zentrale Einkaufsstrasse Münchens | (c) Foto: Konstantin Bazanov, medwedew.de

Auch in der Gastronomie merkt man subjektiv, dass die Touristen aus dem Osteuropa wegbleiben bzw. merklich sparsamer sind, wie ein Kellner in der bekannten Bierhalle in der Neuhausener Straße behauptet. „In der Vorweihnachtszeit haben wir schon gemerkt, dass die Krise haben, die Sprache hört man etwas seltener“, beschwert sich der Bayer und fügt hinzu, dass es sich wohl kaum besonders stark auf das Weihnachtsgeschäft auswirken wird.

Keine Auswirkung im Premiumbereich

Geht man die Maximilianstrasse hinunter hat man nicht den Eindruck, dass die Besucher aus Russland die teuren Geschäfte meiden würden. Hin und wieder hört man deren Sprache und dient sogar Geländewagen mit russischen Kennzeichen. „Diese Kunden schauen nicht auf Preis“, sagt ein Verkäufer im italienischen Modegeschäft. Man merke dort auch nicht, dass es weniger Kunden aus Russland kommen. Sie haben ihre Ersparnisse auch wohl kaum in Rubel, sondern ausschließlich in Euro und US Dollar und sind somit weniger von Kursschwankungen in ihrem Land betroffen. Außerdem sind viele russische Bürger der Meinung, dass während der Krise in die teuren Marken und Elektrowaren investieren soll. So haben Tausende Menschen in Moskau in St. Petersburg die Läden gestürmt, als der US Dollar Kurs über 70 Rubel schoss.

Krisensichere Stadt?

Niemand von den Gefragten war aber der Meinung, dass das Ausbleiben der russischen Touristen sich auf die Weihnachtsgeschäfte besonders negativ ausgewirkt hat. Grundsätzlich sieht es so aus, als ob der Stadt und dem Tourismus in Bayern kaum eine Krise zu schaffen kann. Es war kaum zu spüren in den Zeiten der letzten Finanzkrise, es ist kaum zu spüren in den Zeiten der politischen Krisen auf der internationalen Arena. Denn hier in Bayern (sowie München als Landeshauptstadt) sind zahlreiche Maschinenbauer, IT und Dienstleistungsunternehmen, Finanzhäuser, Tourismus-Zentren und andere Gewerbe angesiedelt und sichern den Standort mit Arbeitsplätzen und Besuchern aus Deutschland und von Außerhalb, wie die jährlichen Zahlen eindeutig zeigen (PDF). Auch Büroimmobilien-Mietpreise in München sind ein relativ guter Spiegel der Zeichen der Wirtschaftskraft dieses Standorts. So zählt München zu den Städten mit größten Mieten und die oben angesprochene Einkaufsmeile in der Kaufingerstrasse ist wegen der vielen Vorteilen die mit höchsten Mieten deutschlandweit. Nichtsdestotrotz ist diese Strasse, nicht zuletzt die Stadt im Allgemeinen, ein lukrativer Ort für ertragreiche Einnahmen der Geschäftsleute, daher sind viele bereit die Büros in München zu beziehen.

Tourismus wächst von Jahr zu Jahr | (c) Foto: Konstantin Bazanov, medwedew.de

Tourismus wächst von Jahr zu Jahr | (c) Foto: Konstantin Bazanov, medwedew.de

Die Weihnachtszeit ist vorbei, es werden viele Christkindmärkte abgebaut und dennoch geht das Geschäft weiter. Auch zur Silvesterzeit erwarten den Besucher und Stadtbewohner viele Events. Ob ein atemberaubendes Feuerwerk, Rathaus am Marienplatz, Leopoldstraße oder Tollwood – München ist eine der beliebtesten Städte, um Neujahr zu feieren. Ansonsten bietet die Umgebung viele Ausflugsziele und Skigebiete. Mit Sicherheit kann man also sagen, dass München eine spannende und krisensichere Stadt ist.

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