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Lettische Schüler kennen die Abkürzung „UdSSR“ nicht

Die Ergebnisse einer von der Zeitung Diena erhobenen Umfrage sind erschütternd: Die Journalisten wollten den Wissenstand der Neuntklässler über die Geschichte Lettlands einer Prüfung unterziehen. Die Hälfte der Schüler waren davon überzeugt, Lettland habe eine Invasion durch Britten erlebt, nur zwei von zehn wussten, wofür die Abkürzung UdSSR steht, die Frage, warum ein großer Teil der Letten nach Sibirien verbannt worden war, beantworteten die Schüler mit: „Weil das Russische Reich Angst vor wohlhabenden und einflussreichen Letten hatte.“

Die Zeitung betont, dass die geringsten Geschichtekenntnisse im Bereich der nahen Vergangenheit des Heimatlandes lägen. So wusste der Großteil der Schüler, dass Janis Äakste der erste Präsident der unabhängigen Republik Lettland war, doch drei Schüler nannten ihn einen Schriftsteller. Lediglich zwei Schüler konnten die abgekürzte Bezeichnung für Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken entschlüsseln, während die Abkürzung UdSSR für zwei Schüler seltsamerweise die „Union Sowjetischer Republik“ bedeutete. Das erinnert doch ein wenig an Justin Bieber, der nicht wusste, was „Deutsch“ heißt. Aber er hat ja andere Qualität, sei es ihm deswegen verziehen.

Auf die Frage, was am 4. Mai in Lettland gefeiert wird, erwähnte nur jeder zweite die Wiederherstellung der Unabhängigkeit. Der Rest gab alternativ „Krawalle in Riga“, „große Straßensperre“, „Sieg der Russischen Truppen über Faschismus“, sogar „der Gedenktag für Gefallene im zweiten Weltkrieg“ an.

Nur ein paar junge Leute konnten den 15. Mai 1934 mit dem militärischen Aufstand unter Führung von Karlis Ulmanis verbinden, dabei zögerten 50 Prozent der Schüler, eine Vermutung zu diesem Datum zu äußern, der Rest antwortete entschlossen, dass an diesem Tag „der erste Weltkrieg begann“, „Deutschland überfiel und besetzte Lettland“, „Lettland wurde für unabhängig erklärt“, „Lettland wurde als ein echter Staat gegründet“. Nun, die englischen Schüler haben mal in einem Test angegeben, Hitler wäre ein Fußballtrainer und Ausschwitz ein Vergnügungspark

Massendeportation der Letten nach Sibirien erläuterten die Schüler unterschiedlich:

  • „Das Russische Reich hatte vor einflussreichen und wohlhabenden Letten Angst“.
  • „Es gab keinen Job zu den Zeiten und sie wurden ausgesiedelt“
  • „In Sibirien brauchte man Bergarbeiter, da Lettland ja ein schwacher Staat war und dem Russland nicht widerstehen konnte, schickte man Letten dahin“
  • „Hitler wollte die Welt regieren und alles in Deutschland verwandeln“
  • „Russen besetzten Lettland und schickten die Reichsten und Gebildeten ins Exil. Man wollte auch Leute für Kollektivwirtschaft gewinnen.“

Bei alledem prägten sich alle Schüler des neunten Jahrgangs bis auf einen die Legende über die Entstehung der rot-weiß-roten Flagge tief ein: Auf ein weißes Tuch legte man einen tödlich verwundeten lettischen Soldaten auf, dessen Blut den Stoff von beiden Seiten einfärbte.

Die lettische Ministerin für Bildung und Wissenschaft, Tatjana Koke, kommentierte die Ergebnisse der Umfrage und drückte ihre Verlegenheit aus, weil „Schulkinder nicht mal die wichtigsten Ereignisse in der Geschichte ihres Heimatlandes“ wüssten. Gerade deswegen fordert sie Geschichte Lettlands als Einzelschulfach einzuführen. Koke sprach die Hoffnung aus, dass die Regierung entsprechende Änderungen schon im September billigen werde, dann würden sie 2011 in Kraft treten.

Ein Kommentar zu “Lettische Schüler kennen die Abkürzung „UdSSR“ nicht”

  1. […] In Lettland gibt es einen großen Anteil russischsprachiger Burger, die sich benachteiligt fühlen. Eine Umfrage zeigte, dass die lettischen Schüler inzwischen nichts mit ihrer UdSSR-Vergangenheit anfangen können. […]

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