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Kooperation „Rosnano“-„Renova“: Kostenumlage auf den Staat und Verträge mit Tochterunternehmen

Eine Wirtschaftsprüfung durch die Handelskammer deckte einige Fehler im „Rosnano“, einem in 2007 gegründeten staatlichen Nanotechnologie-Unternehmen, auf. Am 23. Mai 2013 reagierte sein Geschäftsführer Anatolij Tschubais mit dem Versprechen, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen und in den folgenden 7 Jahren die Nanoindustrie in Russland trotz aller Intrigen aufzubauen.

„Rosnano“ soll nun eine Unternehmensstrategie verabschieden, einige administrative Aufwendungen wirtschaftlich rechtfertigen, statistische Unternehmensdaten systematisieren und die Effektivität einiger korporativer Projekte steigern.
Das wichtigste unter ihnen ist „Hevel“, eine Fabrik zur Produktion von Solarmodulen auf Basis ultra-dünner Silizium-Schichten, einer Technologie der schweizer „Rosnano“-Tochter „Oerlikon Solar Ltd“.
„Hevel“ ist ein gemeinsames Projekt von „Rosnano“ und „Renova“ (unter Führung von Viktor Wechselberg). Mit einem Anfangswert von über 20 Miliarden Rubel ist dies eine der größten Investitionen von „Rosnano“.

„Rosnano“ investierte in „Hevel“ 3,7 Milliarden Rubel Eigenmittel und nahm zusätzlich 9,8 Milliarden Schulden auf, um das Projekt zu finanzieren. Das Unternehmen erhielt demnach 49 % der Fabrik. Den Rest besitzt „Renova“, mit 3,8 Milliarden Eigenkapital und 2,7 Milliarden langfristiger Verbindlichkeiten. Diesen Betrag hat „Renova“ immer noch nicht an „Rosnano„ ausgezahlt, und „Rosnano“ unternahm bis jetzt nichts zu Vereinnahmung der Mittel. Die Handelskammer deutete das Verhalten der Führungsspitze des staatlichen Konzerns als die „Andeutung auf eine Korruptionskomponente“ und erforderte die Vereinnahmung der Finanzmittel.
Anatolij Tschubais, der Chef von „Rosnano“, erklärte, dass er lästige Gerichtsstreitigkeiten vermeiden wollte und mit einem Rückfluss der Mittel rechne, nachdem das Projekt wieder In Gang kommt.
Diese Erwartungen sind realistisch, denn in den nächsten Jahren wird „Rosnano“ vom Staat mit erheblichen Mitteln ausgestattet.

Vor kurzem hat die Regierung ein Paket von Verordnungen verabschiedet, welcher der Branche der alternativen Energien in Russland seriöse Unterstützung garantiert und die Fabrik „Hevel“ mit Aufträgen versorgt.
„Dadurch entsteht ein russischer Energiemarkt – genau deswegen sind wir in das Projekt eingestiegen“, gesteht Tschubais.
Mit diesem Projektvorschlag wandte sich Wechselberg an Tschubais in 2009, dem Jahr nach der Krise, als „Oerlikon“ ernsthafte Absatzprobleme hatte und europäische Regierungen die Unterstützung der Solarenergiebranche limitierten. „Renova“ überzeugte „Rosnano“ vom Bau einer gemeinsamen Fabrik zur Produktion von Solarzellen: zu dem Zeitpunkt galt dies aufgrund der spürbaren Grenzkostendifferenz von 20-25 % zwischen Europa und Russland als äußerst rentabel.
„Oerlikon Solar Ltd“ bekam einen Auftrag zur Lieferung von Produktionsanlagen im Wert von über 244 Millionen Euro. Die Produktion ist auf dem Gelände des „Renova“ gehörenden „Chimprom“ in Novotscheboksary organisiert worden. Geplant war eine Auslastung von einer Million Modulen p.a. bis Ende 2011, und bis 2015 sollte der Umsatz 10 Milliarden Rubel überschreiten.
Doch das Projekt setzte von Anfang an lahm an.
In 2011 wurde anstatt der Aufnahme der Produktion bei „Hevel“ ein Liquiditätsmangel festgestellt, die Rentabilitäts- und Performance-Kennzahlen lagen nahezu bei Null. Die Fabrik wurde nicht fertiggebaut, und der Markt erlitt in der Zwischenzeit starke Veränderungen. Er war bereits übersättigt mit fotoelektrischen Modulen, was zu einem erheblichen Preisabsturz geführt hat. Dies machte eine hohe Nachfrage nach „Hevel“-Produkten „unrealistisch“.
Inzwischen wurden die von Rosnano ins Projekt investierten Mittel ausgeschöpft, doch „Renova“ zögerte mit Ausgabe der vereinbarten Anleihen. Auch „Hevel“ zahlte seine 3,6 Milliarden Rubel Schulden gegenüber dem staatlichen Unternehmen nicht zurück.

Laut Analysen der Beratungsfirma „Aenergy“, betrug die Erzeugung alternativer Energie weniger als 1 %, und die Investitionen in solche Projekte waren während der letzen 5 Jahre mit knappen 20 Millionen Euro zu gering.
Die meisten Quellen alternativer Energie sind sehr instabil: in Russland gibt es nur wenige Orte, wo es kontinuierlich sonnig oder windig ist. Zudem ist „grüne Energie“ teuer. Im Schnitt kostet der Bau einer solchen Station 100000 Rubel pro Wärmeeinheit, wobei die Kosten bis 2020 um ca. 25-40 % ansteigen werden.

Darüber hinaus gab es bis 2012 keine normativen Verordnungen zur Entwicklung regenerierbarer Energiequellen. In 2012 entwickelte das Energieministerium das „Programm zur Unterstützung alternativer Energetik“, welches „Rosnano“ und „Renova“ aktiv lobbierten. Trotz der negativen Reaktionen traditioneller Energieproduzenten, bekam die „Grüne Lobby“ staatliche Unterstützung. Dass Ziel Russlands ist es, den Anteil der alternativen Energie bis 2020 auf 2,5 % zu steigern.
Zudem wurden einige Veränderungen eingeführt, welche Investitionen in grüne Energiequellen zurücklocken sollen. Die Inhaber der Kraftwerke können davon profitieren, wenn sie alle Anforderungen zur Lokalisation der Produktionsanlagen erfüllen. Diese sind für Solarenergie am höchsten: in den Jahren 2014-2015 sollen 50 % aller Maschinen in Russland gekauft werden, in 2016-2020 steigt dieser Anteil bis 70 %, wie ein Sprecher des Energieministeriums berichtete.
Bis 2020 beabsichtigt „Hevel“ den Bau von Solarwerken mit insgesamt 600 Megawatt Leistung.
„Doch die Kosten für ein solches Wachstum werden auf alle Energiekonsumenten umgelegt“, – wendet der Vorsitzende des „Bundes der Energiekonsumenten“ Alexander Startschenko ein. Seinen Berechnungen zufolge wird der Markt für die Entwicklung der „grünen Energetik“ bis 2029 1.226 Trillionen Rubel zahlen müssen, weswegen die Energiepreise in der relevanten Periode jährlich um 2 % ansteigen werden.
Tschubais betonte, dass das oberste Ziel der Aufbau der Nanoindustrie in Russland sei und nicht etwa nur ein Bericht an die Handelskammer. „Deswegen verlassen wir uns auf Innovatoren und versuchen sie nicht mit Vorwürfen zu überfluten“. Anscheinend erwartet er dieselbe Einstellung auch von der Regierung: neulich hat „Rosnano“ diese um zusätzliche Finanzierung für „Hevel“ gebeten, also um weitere 14 Milliarden Rubel.

Quelle: Forbes.ru

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