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GQ Russia mit einem faux pas: Interview nur nachgedruckt

Artikel über Letow in Billboard (li.) und GQ (re.)

Die Redaktion der russischen Zeitschrift „Billboard“ gab bekannt, dass das Interview mit dem Leadsänger der Band „Grazhdanskaja oborona“ (aus dem Russ. „Zivilschutz“) Jegor Letow, das in der russischen Aprilausgabe der „GQ“ abgedruckt wurde, fast identisch mit dem bei „Billboard“ 2008 erschienenen Material sei. Chefredakteur  von „Billboard“ Ilja Buz teilte lenta.ru mit, dass die Zeitschriftenredaktion sich mit Juristen bezüglich der Frage des Verstoßes gegen Urheberrecht in Verbindung gesetzt hatte. Fotos aus den beiden Ausgaben wurden vom Chefredakteur bei Facebook veröffentlicht.

In der letzten „GQ“-Ausgabe wurde ein Interview mit Jegor Letow abgedruckt, das als „das letzte Interview“ mit dem Musiker angepriesen wird. Genauso wurde auch das Interview in der Aprilausgabe 2008, das bei „Billboard“ erschein, bezeichnet. Der Unterschied besteht darin, dass der Interviewtext von 2008 als ein Monolog von der ersten Person dargestellt wurde, während „GQ“ ein Frage-Antwort-Format benutzte. Die Worte in den Aussagen von Letow wurden nur geringfügig geändert, wobei der Gesamtsinn in der späteren Fassung von „GQ“ derselbe blieb.

Außerdem wurden in den Ausgaben die gleichen Fotos Letows verwendet. Wie Buz sagte, wurden diese Fotos von der ehemaligen Fotokorrespondentin der Zeitschrift „Billboard“ Elena Avdeeva gemacht. Alle Texte oder Fotomaterialien, die jemals bei „Billboard Russia“ publiziert wurden, sind der Eigentum des amerikanischen Verlagshauses „Billboard“, unter deren Lizenzvertrag die russische Version erscheint.

Wie Ilja Buz der www.lenta.ru erklärte, wurde der Druckmaterial für „GQ“ vom ehemaligen „Billboard“-Chefredakteur Valerij Posternak fertiggestellt. Wie es sich herausstellt, wusste die „GQ“-Redaktion also nicht von dem wahren Ursprung der veröffentlichten Zeilen und übergab www.lenta.ru als Beweis einen Brief von Posternak, in dem er die Originalität des Materials garantiert. Posternak vermerkt, dass die Publikation, die bei „Billboard“ 2008 erschien, kein richtiges Interview, sondern ein umfassender Nachruf mit einzeln herausgepickten Aussagen sei. Laut seinen Worten wurde aber das neue Interview in dieser Form zum ersten Mal veröffentlicht und weist beinahe keine „Wiederholungen mit „Billboard“ auf, abgesehen von ein paar Worten und Passagen“. Was die Fotografien anbetrifft, sagte Posternak, dass er „GQ“ die gesamte Fotosession zur Verfügung stellt, die Avdeeva damals machte, aber „wieder dieselben Bilder ausgesucht wurden“.

Michail Idov, der „GQ“ erst sein Februar 2012 leitet, stellte fest, dass „jede Mitarbeit mit dem Autor des Artikels eingestellt wird, falls es bald keine rechtsfertigenden Umstände gibt“. Idov appellierte auch an alle Moskauer Verlage die Zusammenarbeit mit Posternak zu unterbrechen und sagte, dass zum Zeitpunkt der nächsten Ausgabe der Zeitschrift „GQ“ eine interne Abteilung für Tatsachsenprüfung geschaffen wird.

Dieser Artikel erschien auf Lenta.ru

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