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Bulgarische Gastarbeiter bauen das “Schloss des Lichtes” in Lettland

Am Bau des neuen Gebäudes der Lettischen Nationalbibliothek (LNB) sind Gastarbeiter beteiligt. Diese Tatsache erregte Anstoß bei den lettischen Bauarbeitern, die um das Schicksal der einheimischen Arbeitnehmer in der Zeit von hoher Arbeitslosigkeit Sorgen machen, schrieben am Wochenende die lettischen Medien.

Gastarbeiter als Sommerloch-Thema für lettische Medien

Nach Angaben der Zeitung „Latvijas Avize” beschäftigte  Baufirma RBS Skals  fünf bulgarische Bauarbeitern. „Wir sind empört! Wo ist das Nationalgefühl? Was ist mit den Versprechungen, dass die LNB  der Stolz des Staates ist und die Letten selbst sie bauen werden? Warum lädt man die Gastarbeiter, wenn es 2000 Arbeitslosen im Land gibt“ – resümiert die Zeitung die Stellungnahmen der Bauarbeiter.

Der Bau vom sogenannten “Schloss des Lichtes” führt die Vereinigung der nationalen Baugesellschaften, die aus RBSSKALS, Skonto Būve und Re & Re besteht. Der Leiter des Konsortiums Maris Saukans leugnet die Tatsache der Beschäftigung von bulgarischen Gastarbeitern nicht, aber er wollte nicht erklären, welcher Lohn ihnen angeboten war, sowie, inwiefern er sich von den Löhnen der lettischen Bauarbeiter unterscheidet. Er merkte nur an, dass solch einen Bau gute Spezialisten führen sollten.

Lokale Spezialisten wandern aus

Nach den Zusicherungen von Saukans bleibt ihm nichts anderes übrig, als bulgarische Gastarbeitern für den Bau des “Schlosses des Lichtes” zu beschäftigen, weil viele lettische Bauarbeiter ausgewandert sind. Laut seinen Worten arbeiten auch Experten aus Italien und Spanien an der Errichtung der Bibliothek  mit.

Der Vorsitzende der Union der freien Gewerkschaften Lettlands Peteris Krigers meint, dass der echte Grund simple Geldeinsparung ist. „Ich bin der Meinung, dass Gastarbeiter beschäftigt werden dürfen, wenn das Land wirklich nicht genug Fachkräfte besitzt. Aber in diesem Fall ist das überhaupt nicht in Ordnung!“ – erklärte Krigers.

Seinen Worten nach kann die Tatsache, dass viele qualifizierte Bauarbeiter die Heimat verlassen hatten, um im Ausland zu arbeiten, nicht bezweifelt werden. Aber es ist gerade geschehen, weil die Arbeitgeber zur rechten Zeit Arbeit und Geld nicht geben konnten. Sie zahlten keine Löhne, Überstunden wurden nicht bezahlt. „Der einzige Grund, warum auf der Baustelle „Schloss des Lichtes“ Gastarbeiter beschäftigt sind, ist, dass sie einfach günstiger sind“ – schließt der Gewerkschaftsführer.

„Beschäftigung der Ausländer ist eine pure  skrupellose Wirtschaftsberechnung“, – meint der Leiter der Lettischen Assoziation der Bauarbeiter Wiktor Purinsch. Der Exekutivdirektor Marcis Nikolajew ist der Meinung, dass Lettland genug qualifizierte Arbeitskräfte hat, aber Bulgarien der EU später als Lettland beigetreten ist, und seine Arbeitnehmer bereit sind, für weniger Geld zu arbeiten.

Hohe Arbeitslosigkeit im Bau in Lettland

Am 31. Juli hat die Zahl der Arbeitlosen in der Baubranche in Lettland 9.500 Menschen überschritten.

Entsprechend dem Vertrag, den die Agentur “Drei neue Brüder „(die im Kampf um die Einsparung abgeschafft wurde) mit dem Konsortium am 15. Mai 2008 geschlossen hatte, lagen die Kosten für den Bau der neuen Bibliothek bei 114,6 Mio. Lati (€ 161,5 Mio). Das für den Bau verantwortliche Kulturministerium berechnete jedoch, dass die rechzeitige Vollendung des Baus, d.h. bis zum 18. November 2012, zusätzliche Kosten aus dem Staatshaushalt in Höhe von 13,6 Mio. Lati (mehr als 19,2 Mio. Euro) verlangen wird. Die Regierung fand bereits die Mittel, denn laut Aussage des Finanzministeriums kostet die Bauverlängerung mehr als der rechzeitige Abschluss des Baus.

Die Geschichte der Errichtung von „Schloss des Lichtes“ war von Anfang an voller Diskussionen. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung, eine Reihe von politischen Parteien, darunter der Leiter der derzeitigen Regierungskoalition „Moderne Zeit“ sowie der Präsident Valdis Zatlers dagegen waren, bestanden die Volkspartei und persönlich die damalige Kulturministerin Helena Demakova auf den Bau von „Schloss des Lichtes“.

5 Kommentare zu “Bulgarische Gastarbeiter bauen das “Schloss des Lichtes” in Lettland”

  1. […] freundlicher Genehmigung von Medwedew […]

  2. WDBam 17.08.2010 um 14:59

    In der EU besteht Bewegungsfreiheit und da Recht auf Arbeit, auch für Ausländer aus anderen EU-Staaten, in fast allen Staaten.
    Da s ermöglicht auch den lettischen Bauarbeitern in anderen, für sie lukrativeren, Staaten zu arbeiten.

    N a t i o n a l g e f ü h l: wer diese Gefühl über das Allgemeinwohl stellt, hat in der EU nichts zu suchen. Entweder wir sind in der EU und erkennen die Abgabe eines Teils der Souverenität an, oder wir bleiben ein Nationalstaat, was für Lettland bestimmt nicht der große Vorteil wäre.

  3. Mary Ginaam 17.08.2010 um 17:16

    Sehe ich genauso. Ich möchte glauben, dass es nur ein von den Medien hochgeschaukeltes Thema ist, um das Sommerloch zu füllen.

  4. Lalaboyam 17.08.2010 um 17:50

    EU hat den Menschen viel gebracht! Das ist wirklich ein Schatz, wenn man sich an die Bücher über Mittelalter in Europa erinnert. Man muss dankbar sein und ab und zu mal weg stecken können, wenn es darum geht die Zuwanderer und Gastarbeiter zu tolerieren oder einem oder anderem Staat unter die Arme zu greifen, wenn da wirtschaftlich nicht so gut läuft. IMHO

  5. Bulgaream 04.01.2011 um 12:35

    –>WDB, in vielen EU Ländern besteht eine 7-jährige Sperrfrist für Arbeitnehmer aus Staaten, die 2004 der EU beigetreten sind. Auch Deutschland öffnet erst ab dem 01.05.11 (zwangsweise) den Arbeitsmarkt. Für Irland und UK galt das nicht, daher zieht es viele Balten und Polen seit 2004 dorthin.

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