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Auto-Demos in Russland: Moskau fährt für und gegen Putin

Russland ist schon ein sonderbares Land, wenn es um Politik geht. Kaum in einem anderen Land setzen sich so viele Menschen für oder gegen bestimmte politische Kräfte ein. Vergleicht man Deutschland damit, ist die Politikverdrossenheit hierzulande deutlich zu spüren. Kann sich jemand vorstellen, dass gleichzeitig in mehreren Städten Deutschlands Tausende Menschen auf die Straßen gehen, und das nicht weil sie zur Public Viewing, Love Parade oder einem Karnevalszug wollen, sondern um gegen oder für einen Bundeskanzlerkandidaten sind? Nein, wir können und das schlecht vorstellen.

Demos in Russland: Gegen Putin und für Putin

Wir berichteten bereits über viele Massendemos für freie Wahlen in Russland in mehreren Städten Russlands, die nach Wahlbetrügen bei Duma-Wahlen veranstaltet wurden. Inzwischen gab es viele Gegendemos, die für Putin geworben haben. Beobachter berichteten aber von von Behörden, Universitäten und Werken organisierten und gesponsorten Veranstaltungen: die Plakate wurden zentral vorbereitet und an die Teilnehmen verteilt, die gar nicht wussten, was sie halten. Ein Video (leider nur auf russisch) zeigt nichts ahnende Plakatträger:

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Autorallye in Moskau: Putins Anhänger bringen Rennboliden mit

Nun gibt es eine neue Initiative: die Putin-Gegner und Befürworter veranstalten Autokorsos für oder gegen den Präsidentschaftskandidaten. Nachdem ende Februar die Gegner dran waren, fuhren auf vergangenen Samstag in Moskau Putins Unterstützer auf dem Moskauer Ring.

Am Samstagabend, dem 18. Februar, fand in Moskau eine Autorallye statt, deren Teilnehmer Anhänger des Ministerpräsidenten und Kandidaten zum Präsidenten der Russischen Föderation Vladimir Putin sind. Schätzungsweise versammelten sich einige Hunderte bis zu einem Tausend Autos auf Sacharov Prospekt. Gegen 23:00 Uhr fuhren sie auf der Außenseite von Sadovoe kolzo los.

Die Autos wurden mit Slogans geschmückt, die Putin unterstützen sollen, mit russischen Flaggen und anderer Sichtagitation für den Präsidentschaftskandidaten. Anhand Nutzerfotos im Twitter nahmen an der Rallye sowohl teure westliche, als auch einheimische Kraftfahrzeuge teil. Außerdem wurden zwei Rennboliden auf Sacharov Prospekt gebracht.

Laut Zeugenaussagen leistete die GIBDD (aus dem Russ. „staatliche Inspektion der Straßenverkehrssicherheit“) den Teilnehmern der Autofahrt die Mitwirkung, indem sie für eine Zeitlang die Ringstraße Sadovoe Kolzo sperrte, damit die Kolonne uneingeschränkt den Sacharov Prospekt verlassen konnte. Es entstanden keine erheblichen Verkehrsflussbehinderungen. Der Service von „Yandex. Stau-Info“ bewertet die Straßenauslastung nach Angaben um 23:30 mit 2 Punkten (nach 10-Punkte-System, wobei 0 Punkte komplett freien Verkehrsfluss bedeuten).

Die offiziellen vom Innenministrerium sprechen von ca. 2000  Teilnehmer der Rallye, beobachtet nennen kleinere Zahlen.

Zu Erinnerung: am 29. Januar fand in Moskau auf Sadovoe kolzo eine Autorallye für faire Wahlen statt. Die Organisatoren behaupteten, dass an dieser Aktion etwa fünf Tausend Autos teilnahmen, das Innenministerium zählte hingegen nur ca. 300 Teilnehmer. Augenzeugen berichteten, dass es am Höhepunkt der Rallye so viele Autos gab, dass sie Sadovoe kolzo umschlossen und damit ernsthafte Verkehrsstauungen verursachten. Den Putin-Anhängern ist das Umschlissen des Ringes nur zeitweise gelungen.

„Weiße Straßen“ in vielen Städten Russlands

Am Wochenende veranstalten auch die Gegner von Putin wieder Autokorsos, die inzwischen den Namen „Weiße Straßen“ tragen, da die Teilnehmer der Protestbewegung weiße Luftballons und weißen Rosen mit sich tragen.

Hier die Reportagen von Ridus aus unterschiedlichen Städten Russlands:

Ein Kommentar zu “Auto-Demos in Russland: Moskau fährt für und gegen Putin”

  1. […] Kolzo (Sadovoe Koltso) der Ort der Kundgebung. In diesem Fall fuhren die Oppositionellen nicht mit ihren Autos um den Moskauer Ring herum, sondern standen zu Fuß entlang der Straße. Alle Teilnehmer […]

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