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Abriss des alten Gebäudes der Moschee-Kathedrale in Moskau

In der russischen Hauptstadt wurde am 11. September das historische Gebäude der Moskauer Moschee-Kathedrale abgerissen. Das berichtet die Agentur „Interfax“.

Wie Konstantin Michailov – der Koordinator der Bewegung „Archnadzor“ (russ. „Architekturaufsicht“) – mitteilte, wurde einige Tage vorher „seitens muslimischer Öffentlichkeit eine offizielle Empfehlung abgegeben“, die die Anerkennung des Moschee-Gebäudes als Kulturgutobjekt vorschlug. „Ich denke, dass die Moschee ab dem Zeitpunkt dieser Antragstellung einen offiziellen Status als Objekt des Kulturerbes erlangte. Solche Fälle sind gesetzlich festgelegt. Dementsprechend erfordert die Gesetzgebung die physische Unversehrtheit solcher Objekte bis zu einer eindeutigen Entscheidung über deren Schicksal“, – sagte Michailov.

„Dieser Fall an sich ist ein erstaunlicher Eklat, weil die Moschee sogar in Breschnev-Zeiten unberührt blieb, man plante in den 1970-er ihren Abriss, jedoch brachte man es aufgrund öffentlichen Drucks nicht in Erfüllung. Dieses Gebäude verschonte man unter Luschkow, nur Sergej Sobjanin machte dies möglich. Seit dem Jahr 1978 wurde in Moskau kein einziges Gotteshaus abgetragen. Zum ersten Mal seit 33 Jahren setzt Moskau diese beschämende Chronik fort“, – sagte ebenso der Koordinator von „Archnadzor“.

In der Zwischenzeit kann auf der Webseite der Moskauer Kathedrale-Moschee die Verkündigung ihres Hauptimams Ildar Aljautdinov abgerufen werden, in der über die Zweckmäßigkeit des Abrisses eines alten Holzgebäudes im Zuge der Rekonstruktion gesprochen wird.

Die Information über den Abriss der Moschee wurde von Albir Krganov, dem ersten stellvertretenden Vorsitzenden der kirchlichen Verwaltung der Moslems, dem Mufti von Moskau und zentralrussischen Gebieten, bestätigt. Er zeigte sich ratlos über die Tatsache der Moschee-Abtragung am 11. September. „Genau zehn Jahre später an dem Tag des Terroranschlages in den USA ereignete sich hier auch eine eigene Tragödie“, – sagte der Mufti.

Früher bezeichnete der Vorsitzende des Muftibeirats Russlands Ravil Gajnutdin das Kathedrale-Gebäude als historisch weniger wertvoll, ausgehend von der Begutachtung des Moskauer Komitees für Kultur- und Geschichtserbe. Infolge dieses Urteils traf man die Entscheidung, das alte Gebäude im Rahmen der Gesamtrekonstruktion des ganzen Komplexes umzubauen. Dabei teilten sich die Meinungen der muslimischen Gemeinschaft – einige Muftis sahen den Gebäudeabriss als zweckdienlich, die Anderen äußerten sich dagegen.

Die Moskauer Kathedrale-Moschee wurde im Jahr 1904 mit finanzieller Unterstützung des tatarischen Kaufmanns und Mäzens Salich Erzin gebaut. Die Moschee befand sich in Gefahr der Abtragung vor der Olympiade-80 wegen des Baus der benachbarten Sportobjekte, jedoch wurde das Gotteshaus dank dem Einsatz der Moslemgemeinde der Hauptstadt und der Unterstützung der Botschafter arabischer Länder gerettet. Am 30. Juni 2008 wurde das Architekturwerk in die Liste der Kulturerbeobjekte eingetragen, dennoch wurde bereits im November 2009 dieser Entschluss außer Kraft gesetzt.

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